Die Geschichte der Dresdner Schulmuseen  

Das heutige Schulmuseum ist das fünfte in Dresdens Geschichte. Bis 1945 hatte die Stadt drei solcher Museen und damit die meisten in Deutschland. Hervorgegangen waren sie aus Lehrmittelsammlungen. Sie alle versanken im Bombenhagel des 13. Februar 1945, und mit ihnen gingen wertvolle Sachzeugen der sächsischen Schulgeschichte für immer verloren.

Die Idee eines Schulmuseums soll um 1817 in Frankreich entstanden sein. In Deutschland öffnete die erste Einrichtung dieser Art 1851 in Stuttgart als Lehrmittelsammlung. Hamburg folgte 1855, Leipzig 1864, München 1875, Berlin 1876.

 

Das Schulmuseum des Sächsischen Lehrervereins

Das Gründungsjahr des ersten Dresdner Schulmuseums ist 1904. Initiator war der Sächsische Lehrerverein. Am Anfang stand, wie bei vielen anderen derartigen Museen jener Zeit auch, eine Lehrmittelsammlung, denn der Verein hatte es sich zur Aufgabe gestellt, Lehrmittel zu beurteilen. Die zahlreichen Gegenstände sollten sowohl den Lehrern, als auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dafür stellte die Stadt schließlich drei leer stehende Räume im Hintergebäude der 19. Bezirksschule an der Sedanstraße - heute Hochschulstraße - zur Verfügung. Am 4. Dezember 1904 konnte schließlich das "Schulmuseum des Sächsischen Lehrervereins" eröffnet werden. In der Presse wurde es als "pädagogische Rüstkammer" bezeichnet. 1906 kam eine mikroskopische Abteilung hinzu, seit 1920 wurde eine "Lichtbilderabteilung" aufgebaut, aus der 1925 eine Dauerausstellung hervor ging. Wegen des Raummangels wurde diese jedoch im Gebäude des Pädagogischen Instituts an der Teplitzer Straße gezeigt.

Das Museum tat sich durch zahlreiche Ausstellungen hervor, so u.a. auch im Ausstellungspalast am Stübelplatz (heute Straßburger Platz). Dort wurden neben Lehrmitteln auch Exponate zum Schulbau und zur Gesundheitspflege gezeigt.
   
 

Das Schulmuseum des Dresdner Lehrervereins

Es öffnete im Oktober 1905 und befand sich ebenfalls in der 19. Bezirksschule an der Sedanstraße. Beide dort untergebrachten Museen konnten nebeneinander existieren, weil ihre Ausrichtung völlig verschieden war. Das Museum des Dresdner Lehrervereins verstand sich als heimatkundliche Sammlung, hatte sich zum Ziel gestellt, durch Heimatsinn und Heimatkenntnis zur Heimatfreude und Heimatliebe zu erziehen.

Es war nach den verschiedenen Landschaften des geografischen Raums von Dresden und seiner Randgebiete gegliedert. Zahlreiche Karten und über 1200 Lichtbilder unterstützten das Anliegen dieses Schulmuseums. Neben der Heimat wurden auch historische Themen wie z.B. "75 Jahre sächsische Eisenbahn" oder das Andenken an den seinerzeit bekannten Dresdner Schriftsteller Gustav Nieritz (Foto) aufgegriffen.

Auch dieses Museum trat über sein Domizil hinaus an die Öffentlichkeit, war 1910 sogar auf der Weltausstellung in Brüssel vertreten und erhielt dort einen Ehrenpreis.
 

Das Schulmuseum des Sächsischen Seminarlehrervereins

Am 6. April 1910 war an der Teplitzer Straße im Beisein des sächsischen Königs Friedrich August III. das Friedrich-August-Seminar eröffnet worden. Es hatte seine Wurzeln im alten Lehrerseminar in der Friedrichstadt. Gleichzeitig mit diesem Seminar entstand dort das Schulmuseum des Sächsischen Seminarlehrervereins, das sich vorwiegend der Geschichte sächsischer Seminarlehrerausbildung im 18. und 19. Jahrhundert widmete. Eine entsprechende Sammlung hatte es schon im Friedrichstädter Seminar gegeben. Auf nebenstehender Zeichnung hat ein Seminarist einen Blick in einen der beiden Museumsräume festgehalten.

 

Das Schulmuseum an der Tiergartenstraße

Nach der Zerstörung der Dresdner Schulmuseen im Jahr 1945 klafft eine große Lücke in der Tradition jener Museen. Bereits anfangs der 50er Jahre war der Dresdner Lehrer und Schulhistoriker Ernst Krebs vom damaligen sächsischen Volksbildungsministerium beauftragt worden, Pläne für ein neues Schulmuseum in Dresden zu erarbeiten. Doch es sollte bis 1986 dauern, bis dann endlich, im Juni, das neue Museum, das vierte in der Geschichte der Stadt, seine Pforten öffnen konnte. Die Initiative war von einer Arbeitsgruppe unter Dr. Dorothea Dietrich ausgegangen. Aufgabe des Museums sollte eine verstärkte Geschichtspropaganda im Sinne jener Zeit sein. Untergebracht wurde dieses Museum im Erdgeschoss der 21. Polytechnischen Oberschule "Anton Saefkow" in der Dresdner Tiergartenstraße, nahe Zoo. Attraktion war ein Klassenzimmer von 1910. Daneben gab es Anschauungsmittel aus dem Schulleben aus vergangener und neuerer Zeit, viele davon selbst angefertigt. Natürlich war der sozialistischen Schulgeschichte seit 1945 viel Raum eingeräumt. Das Museum hatte mehr als 6000 Lehrbücher und pädagogische Materialien aus den letzten 100 Jahren zusammengetragen, darunter Schulmöbel, Schiefertafeln, Griffel usw. Schüler bekamen Einblick in die alte, 1943 von den Nationalsozialisten "abgeschaffte" Sütterlinschrift. Über 4000 Dokumente zeugten von der Dresdner Schulgeschichte. Die zu dokumentieren machten sich neben ihrer Museumsarbeit die Mitarbeiter zur Aufgabe und bezogen Schulen aus dem gesamten Bezirk Dresden mit ein.

Dieses Museum wurde von zahlreichen Schulklassen für Führungen und Vorträge genutzt. Doch am 30. Juni 1992 fand die letzte Führung statt. Die Schau war nicht mehr "zeitgemäß". Seit 1986 hatten mehr als 10.000 Besucher den Weg in die Tiergartenstraße gefunden. Das Schulverwaltungsamt schloss ab 1. Juli das Museum. Seine Bestände wurden ausgelagert, haben jedoch bisher noch nicht den Weg in das fünfte Dresdner Schulmuseum gefunden. Das entstand auf Betreiben von Dresdner Schulenthusiasten, die sich in der einst schulmuseumsreichsten deutschen Stadt nicht mit dem Bruch der Tradition zufrieden gaben. Sie gründeten einen Verein, um ein neues Schulmuseum unter heutigen Aspekten zu schaffen. Seit 24. März 2006 steht es an historischer Stelle jeden Donnerstag ab 14.00 Uhr in der Friedrichstadt für Besucher offen.

 

 
 
Diese Seite entstand auf der Basis einer Magisterarbeit an der TU Dresden, eingereicht von Albrecht Hoch.